

Die Vereinsführung des HKK: Roman Brüderl (Schriftführer), Carmen Stadtländer (Geschäftsführerin), Roland Handschuh (Vorsitzender), Gerhard Gregor (stellv. Vorsitzender). (Bilder: zVg, AWI)
Andreas Widmer/FL
Historische Kälte- und Klimatechnik
Was wären wir ohne Geschichte? Wie gerne erzählen wir Anekdoten von längst vergangenen Tagen und präsent ist einem noch vieles. So hat auch die Kälte- und Klimatechnik ihre Geschichte. Der Verein «Historische Kälte- und Klimatechnik e.V.» hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Geschichte der Kältetechnik zu dokumentieren und sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Friscaldo hat das Museum des HKK (Frigotheum) in Maintal bei Frankfurt besucht und die Gelegenheit genutzt, zusammen mit Geschäftsführerin Carmen Stadtländer, dem Vorsitzenden des Vereins Roland Handschuh, sowie dem stellvertretenden Vorsitzenden Gerhard Gregor die Räume mit den Exponaten zu bestaunen.
Die Ausstellung des Museums besteht aus historisch interessanten kälte- und klimatechnischen Objekten wie Verdichtern, Verdichtersätze, Mess-Regel- und Steuergeräten, sowie Werkzeugen und Haushaltsgeräten. In einem separaten Raum ist eine umfangreiche Sammlung von Fachbüchern, Fachzeitschriften und Firmenschriften aus dem zwanzigsten Jahrhundert untergebracht.
Die Anfänge des Museums
Auch ein Museum hat Geschichte. Ein Grossteil der Objekte und Schriften stammt aus der Sammlung des Kältefachmanns Heinz Bacher. Er hatte praktisch während seines ganzen Berufslebens Geräte, Bauteile und Unterlagen von defekten oder nicht mehr gebrauchten Kälte- und Klimaanlagen in der Überzeugung gesammelt, dass solche Dinge, wie auch die damit verbundene geistige Leistung unserer Vorgänger, zum allgemeinen Nutzen der Nachwelt erhalten werden sollten.
Als er 1999 seinen Betrieb altershalber abgab, suchte er einen Platz für die Sammlung. Professor Johannes Reichelt in Karlsruhe stellte ihm diesen Platz zur Verfügung. Dieser stellte sehr schnell fest, dass er weder den Platz noch die erforderliche Arbeitskapazität für die Aufarbeitung der Sammlung hatte.
Auf der Kältetagung des DKV 1999 in Würzburg schilderte er sein Dilemma Manfred Seikel. Dieser informierte seine Kollegen der Innung Hessen. Eine Delegation besichtigte daraufhin die Sammlung und beschloss, diese nach Maintal zur Bundesfachschule für Kälte-Klima-Technik (BFS) zu holen. Mit der Gründung des Vereins «Historische Kälte- und Klimatechnik e.V» im Mai 2000 fand die Sammlung einen würdigen Verwalter, der auf dieser Basis seine Aktivitäten zum Nutzen der gesamten Branche aufbauen konnte.
Ein Gang durch die Vergangenheit
Die Mitglieder des Deutschen Kälte- und Klimatechnischen Vereins e.V. (DKV) recherchierten die Geschichte der bedeutenden deutschen kälte- und klimatechnischen Unternehmen, Verbände und Vereine. Sie dokumentierten die Entwicklung, die mit Carl von Linde Ende des 19. Jahrhunderts begann und in der Mitte des 20ten Jahrhunderts ihre Blütezeit mit Unternehmen wie der Gesellschaft für Lindes Eismaschinen, Wegelin & Hübner, Brown, Boveri & Cie. (BBC, heute ABB), Bergedorfer Eisenwerke, Borsig, Haubold, Rheinkälte und Sulzer Escher Wyss hatten. Diese Unternehmen stellten zumeist alles selbst her, vom Verdichter über die Wärmetauscher bis hin zur fertigen Anlage. Was heute undenkbar ist.
Der Rundgang durch die Exponate war eine spannende und lehrreiche Erfahrung. Auch die zahlreichen Produkte haben ihre eigene Geschichte. Viele Einsatzbereiche und technische Details sind dokumentiert und nehmen die Besucher mit auf eine Zeitreise.
Da gibt es beispielsweise einen Kreuzkopf-Verdichter von Linde mit Baujahr 1900, hergestellt vom MAN Werk in Augsburg. Die Lieferung erfolgte damals an die Grossherzogliche Technische Hochschule Karlsruhe, unter der Linde-Auftragsnummer 381. Dieser Verdichter war Jahrzehnte in der Hochschule Karlsruhe für studentische Übungen installiert.
Oder ein «Historischer Eisschank, betrieben mit dem natürlichen Kältemittel «Wasser». Mit Zinkblech und Kork wird eine Holzvitrine zum Eisschrank. Rechts unten der herausnehmbare Eiskasten für das Stangeneis. Bis ca. 1959 haben beispielsweise in Hamburg die Einzelhändler Stangeneis in die Wohnungen bis in die dritte und vierte Etage getragen.
Interessant war der ausgestellte Wankelverdichter, entwickelt anfangs der 70er Jahre durch die Wankel RuD Lindau GmbH (Prototyp). Das ausgestellte Exemplar hat eine Antriebsleistung von ca. 5 kW bei 3000 U/min und eine Heizleistung von rund 15 kW. Die Drehzahl kann durch Polumschaltung (1450/2900 U/min) gewählt werden.
Wankelverdichter haben sich in der Kältetechnik nicht durchgesetzt, da sie gegenüber von gebräuchlichen Ausführungen Nachteile wie eine geringere Effizienz und Probleme mit der Abdichtung aufwiesen.
Eine Entwicklung von Bitzer befand sich ebenfalls unter der Sammlung. Ein Schraubenverdichter von Ende der 80er Jahre. Es handelt sich um eine spezielle Lösung für Klimaanlagen in Bahnanwendungen mit dem Kältemittel R 134a. Im Gehäuse integriert sind Ölabscheider, Rückschlagventil und Leistungsregelung.
Beim wassergekühlten Frigidaire- Satz Typ N handelt es sich um eine Dauerleihgabe von Alpiq InTec Schweiz (heute Bouygues Construction). Der aufwendige Aufbau über dem Motor, diente als gewichtsbelastete Überdruckventile. Jedoch mit dem Nachteil, dass bei ihrem Auslösen das Kältemittel in die Umgebung abgelassen wurde. Zu diesem Zeitpunkt waren offensichtlich noch keine elektromechanischen Pressostate erhältlich. Ein Besuch des «Frigotheum» ist auf jeden Fall sehr empfehlenswert.
Die «Strasse der Kälte»
Es ist schlicht unmöglich, alle noch vorhandenen interessanten Zeugnisse der Kälte- und Klimatechnik in einem Museum unterbringen. Auserwählte Zeugnisse der technischen Entwicklung wurden dokumentiert und in die „Strasse der Kälte“ aufgenommen, um sie damit Interessierten auf der Website des Vereins zugänglich zu machen. Bisher wurden ca. 60 Objekte dokumentiert. Mit der Veröffentlichung soll auch das Interesse der Betreiber und Träger, so wie der Öffentlichkeit geweckt werden, diese einmaligen Zeugnisse zu erhalten.
Beispiele aus der «Strasse der Kälte»
Die älteste bekannte Kälteanlage befindet sich in der Paulaner-Brauerei München. Die installierten Verdichter System Linde, wurden von der Maschinenfabrik Augsburg im Jahr 1881 hergestellt. Es handelt sich um Verdichter aus den ersten Jahren der «Gesellschaft für Lindes Eismaschinen», die 1879 gegründet wurde. Sie waren bis 1971 in Betrieb und können heute noch in Bewegung gesetzt werden. Der Antrieb erfolgt wie damals durch eine Wasserturbine.
Die Firma TEKO Gesellschaft für Kältetechnik GmbH in Altenstadt hat mit fachlicher Begleitung des HKK auf dem Firmengelände einen riesigen Kreuzkopfverdichter mit Dampfmaschine, als imposantes Zeugnis der Industriegeschichte aufgebaut. TEKO will damit zeigen, wie die Technik früher aussah und gleichzeitig ein Bekenntnis zu dem damals verwendeten umweltfreundlichen, wirtschaftlichen und energieeffizienten Kältemittel Ammoniak ablegen. Die Anlage war über 70 Jahre im Kühlhaus der Frigus GmbH am Kaiserhafen in Bremerhaven zur Blockeisherstellung und Gefrierfleischkühlung in Betrieb.
Der Verein „Historische Kälte- und Klimatechnik e.V.
Eine Schlüsselaufgabe für den Verein besteht darin, die Bedeutung der Kälte- und Klimatechnik für das tägliche Leben und für die Volkswirtschaft aufzuzeigen. Sie hat ihren heutigen hohen Standard nur dadurch erreicht, dass sie auf die Erfahrungen von gestern zurückgreifen konnte. Ohne diese Vorarbeit der Vorgänger, von Vor- und Querdenkern, von Tüftlern und „Besessenen“, wäre dies nicht möglich gewesen. Diese Erkenntnisse und Erfahrungen der früheren Jahre geraten immer mehr in Vergessenheit. Oft genug kann man feststellen, dass etwas als neu «verkauft» wird, was in Wirklichkeit schon längst vorhanden war; es ist eben nur in Vergessenheit geraten.
Die Mitglieder des Vereins haben sich folgende Aufgaben zum Ziel gesetzt:
- Darstellung der Geschichte der Kälte- und Klimatechnik in Deutschland und deren wirtschaftlicher Bedeutung.
- Aufbau einer historischen Fachbibliothek.
- Erfassen von externen Objekten und Industriedenkmälern – Strasse der Kälte.
Unterhalt eines Museums mit historisch bedeutsamen Exponaten aus der Kälte- und Klimatechnik mit der Sammlung Bacher als Basis.
www.vhkk.org/der-verein-historische-kaelte-und-klimatechnik-e-v